Landschaften

Orplid in Icking - Alinde, Landschaften - Januar 2005

Leichten Fußes folgt Alinde, die vielseitige Münchner Künstlerin, mit ihren Landschaftsbildern aus dem Jahr 2004 den Spuren, welche etwa die Künstler der Münchner Malerschule oder Lovis Corinth und auch die Mitglieder des Blauen Reiters im bayerischen Voralpenland hinterlassen haben. Unbeschwert und mit leichter Hand skizziert sie den föhnblauen Starnberger See, die sich im Wasser spiegelnde Bergkette, schroffe graue Felsen, saftig grüne Felder oder sturmgepeitschte schwarze Tannenwipfel und entfaltet ein Panorama aus rund hundert Bildern, die trotz berühmter Vorgänger durch ihre künstlerische Eigenständigkeit beeindrucken. Die Arbeiten auf Papier in verschiedenen Formaten gleichen sich in der impressionistischen Malweise, eine mit dynamischen Strichen auf weißem Grund angelegte Zeichnung aus Wachskreide, mit Acrylfarbe zart unterlegt. Obwohl die Malerin das Thema einer durchweg menschenleeren Landschaft nicht durchbricht, stellt sich im Betrachter keine Langeweile ein so vielfältig sind die farbenfrohen Motive, so souverän die Handhabung der malerischen Mittel und vor allem so überraschend die Variationen der wiedergegebenen Stimmung: die Landschaft erscheint morgendlich neblig verschleiert oder mittäglich sonnenüberflutet, der Himmel zeigt sich nachmittags dramatisch bewölkt oder in sanfter Abenddämmerung und die Luft fühlt sich hitzeflirrend, kühl und klar oder regenfeucht an. Alinde bleibt der naturalistischen Anschauung verpflichtet, versteht es aber zugleich, das Motiv soweit abstrakt aufzulösen, dass die Landschaft ihre Schönheit behaupten darf, ohne kitschig zu wirken.

Alinde weiß um die Kraft der Natur auch als Quelle der künstlerischen Inspiration und macht sie für ihre Landschaftsbilder fruchtbar. Es sind Bilder, die uns in den Zauber ihrer Stimmungen hineinziehen und uns damit gleichsam den Weg zu uns selbst weisen.

Gabriele Schmid